Gekenterte Zeit

Gekenterte Zeit

Übersetzer: Karl Lubomirski
Seitenanzahl: 194 Seiten
Verlag: Viennepierre edizione, Mailand
Jahr: 2005
Sprache: Deutsch
ISBN: 88-7601-015-7

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Karl Lubomirski di Bonifacio Vincenzi

Tempo naufragato wurde am 30. Juni 2007 von der Accademia Delle Arti mit dem Literaturpreis von Calabrien ausgezeichnet. Die Laudatio wurde von Prof. Dr. D. Laudadio verfasst.

Uwe Kossak, in der Sendung "Buchkritik", Südwestfunk (SWR2) mit der Buchbesprechung von Widmar Puhl.

Kommentar von Gräfin Felicitas von Schönborn.

Poesia (Übersetzung des Artikels von Sebastiano Grosso)


Dieser Zug hält in Auschwitz: Bordbuch in Versen

Oktober 1995. Auf einmal überrascht die reisenden des Express Wien-Krakau ein ungewöhnliches Kreischen der Räder, dann wird der Zug langsamer und hält. Der einzig Passagier seines Abteils, der österreichische Dichter Karl Lubomirski geht zum Fenster. Es ist dunkel. Er spürt eine starke Unruhe und kann sie sich nicht erklären. Einige Minuten später setzt der Lauf der Lokomotive wieder ein. "Wo sind wir?", fragt er einen Kontrolleur? "Auschwitz"
"Hier fiel ein großes Blatt vom Baum des Todes.../das keinen Winden folgt, das liegt und liegt und liegt und wenn Geschichte selbst verweht, erst mit seinem Ort vergeht," wird Lubomirski, ein Nachfahre der Familie, deren Grab er in der Franziskaner Kirche Krakaus aufsucht, einige Tage später schreiben. Die Zeilen sind Teil der "Orte" (luoghi), eines Abschnitts der Anthologie,"Gekenterte Zeit" (tempo naufragato), einer italienisch-deutschen Ausgabe seiner 160 Arbeiten, die im Zeitraum 1960 bis heute entstanden sind. Es handelt sich um echte Lyrik, die sich liedhaft entwickelt. "Deutsche Sprache wie Musik, vielleicht Schubert," schrieb Karl Popper. Und es ist kein Zufall, dass Schubert zitiert wird, der des romantischen Liedes Blüte schuf, jenes Liedes, das seine Wurzeln im sakralen Grund der Volksmelodie des XV. Jahrhunderts hat (Reflexionen Lubomirskis über das Heilig finden sich im Abschnitt: Der Dichter und das Göttliche).
Karl Lubomirski geboren 1939 in Hall in Tirol, ausgebildet in Innsbruck, lebt seit 40 Jahren in Italien. Er zählt zu jener Riege der Dichter, die aus dem Industriekreis stammen, etwa wie unsere Leonardo Sinisgalli (Ingenieur-Dichter), Sergio Solmi (Bankbeamter), Giuseppe Eugenio Luraghi (Dichter, Schriftsteller, Maler und Manager von Großunternehmen). Sein Beruf hat ihn überall hingeführt: Latium, Sizilien, Bretagne, Griechenland, Ägypten. Daher ein "Logbuch" reich an Eindrücken ("Blaue Grotte: Nur ein Splitter im Aug der Nacht/aber das Meer kam, zu weinen). Erschauern, Anmerken. Oft kehrt der Dichter in die Welt der Klassik, erweckt sie, belebt sie aufs neue ("Unter heidnischem Blau, lockender Schierling Einhornfohlen weiden mohngezäumt") oder ("Nach Norden gerichtete Gräber- tragen Lavendel"). Popper hat tatsächlich Recht, sein Deutsch ist wie Musik.

Grasso Sebastiano